Zwischen Anspruch und Finanzierung: Kritik am neuen Kulturleitbild Basel-Stadt
Mit dem neuen Kulturleitbild 2026–2031 will Basel-Stadt Qualität und faire Arbeitsbedingungen in der Kultur stärken. Aus der freien Szene kommt jedoch deutliche Kritik: Der Berufsverband Visarte Region Basel bemängelt fehlende zusätzliche Mittel und warnt vor einer wachsenden Ungleichheit zwischen Institutionen und der freien Szene. von Nahom Mehret
26.01.14 Kritik Kulturleitbild 2026-31
Der Berufsverband Visarte Region Basel kritisiert das Kulturleitbild 2026-31
Der Kanton Basel-Stadt plant seine Kulturpolitik für die kommenden Jahre neu. Im September 2025 haben Regierungspräsident Conradin Cramer und Katrin Grögel, Leiterin der Abteilung Kultur, das neue Kulturleitbild für die Jahre 2026 bis 2031 vorgestellt. Der Fokus des Leitbilds liegt auf Qualität, verbesserten Arbeitsbedingungen, fairer Bezahlung sowie einer selektiven und qualitätsorientierten Kulturförderung.
Das neue Kulturleitbild stösst jedoch nicht bei allen Akteur:innen auf Zustimmung. Insbesondere aus der freien Szene kommt Kritik. Der Berufsverband Visarte Region Basel hat sich vergangene Woche in einer Medienmitteilung zum Entwurf des Kulturleitbilds geäussert.
Kritisch sieht Visarte unter anderem eine im Leitbild wahrgenommene Trennung zwischen sogenannter Hochkultur und alternativer Kultur. Co-Präsidentin Irene Maag erklärt, diese Unterscheidung sei problematisch. Eine tatsächliche Trennung bestehe vielmehr in der strukturellen Benachteiligung der freien Szene bei Förderung und Wertschätzung.
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt betrifft die Finanzierung fairer Bezahlung. Zwar fordere das Kulturleitbild faire Löhne, stelle dafür jedoch keine zusätzlichen finanziellen Mittel zur Verfügung. Faire Bezahlung sei seit Langem ein zentrales Anliegen von Visarte, so Maag. In der freien Szene sei deren Umsetzung jedoch schwierig, da die notwendigen Mittel fehlten. Zwar stünden dank der sogenannten Trinkgeldinitiative rund fünf Prozent des Kulturbudgets zur Verfügung, diese reichten jedoch nicht aus, um eine nachhaltige und seriöse Kulturfinanzierung sicherzustellen.
Aus Sicht von Visarte Region Basel führt diese Situation dazu, dass faire Bezahlung letztlich vor allem in grossen Institutionen umsetzbar sei. Ohne zusätzliche finanzielle Mittel für die freie Szene bestehe die Gefahr, dass Programme deutlich reduziert werden müssten. Dies wäre laut Visarte ein Verlust für Kunst- und Kulturschaffende ebenso wie für das Publikum.
Trotz der Kritik sucht Visarte Region Basel weiterhin den Dialog mit der Abteilung Kultur und bringt eigene Vorschläge ein. Diskutiert werden unter anderem die Einführung einer Kulturtaxe für Tourist:innen oder eine sogenannte Bautaxe („Kunst am Bau“), bei der bei öffentlichen Bauvorhaben ein bestimmter Prozentsatz der Baukosten für Kunst im öffentlichen Raum vorgesehen wird.
Wie es konkret weitergeht, ist derzeit offen. Laut Irene Maag wird auch geprüft, ob die freie Szene mittels einer Initiative gestärkt werden könnte. Entscheidend sei jedoch, dass der Dialog mit der Politik fortgeführt werde und Themen wie faire Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen in der freien Szene weiterhin öffentlich diskutiert würden.